Was sagen die Geologischen Landesdienste zum aktuellen Stand der Endlagersuche?
12.11.2025
Einmal im Jahr stellt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die das Verfahren umsetzt, ihre Arbeitsstände vor. Die Aufmerksamkeitskurve steigt und damit Neugier und Spannung. Welche Gebiete taugen prinzipiell für ein Endlager und welche nicht? Die Ergebnisse sind zwar nur vorläufig, aber das Interesse groß. Wir haben diese wichtige Wegmarke in einer NBG-Veranstaltung geologisch unter die Lupe genommen.
Die Landkarte Deutschlands färbt sich allmählich. Am Anfang des Verfahrens noch schneeweiß, wurde die ganze Landesfläche ins Rennen geschickt. Keine Region, kein Bundesland wurde von vornherein ausgeschlossen. Gleiche Startbedingungen, keine politische Einflussnahme, nur die wissenschaftlich-geologischen Kriterien sollen zählen – so das Ziel. Eine Lehre aus der konfliktreichen Geschichte rund um Gorleben.
2020 veröffentlichte die BGE bereits Teilgebiete, rund 54 % Deutschlands gehörten dazu. Und jetzt: Es wurde weiter eingegrenzt, rund 25 % des Landes sind noch im Rennen. Die Ergebnisse sind – die Verantwortlichen betonen das immer wieder – nur vorläufig. Erst Ende 2027 plant man die potenziellen Standortregionen, die weiter im Verfahren bleiben, zu veröffentlichen. Und die Landkarte hat immer noch viele graue Flächen, d. h. hier haben die Untersuchungen noch gar nicht begonnen.
Farbe kommt ins Verfahren
Aber dazwischen erstrahlt jetzt schon einiges in Orange und Gelb. Diese Gebiete werden von der BGE als geologisch nicht oder nur wenig geeignet eingestuft. Und ab und an ragen ein paar türkise Sprengsel auf der Karte hervor. Und auf die schaut jetzt die ganze Republik. Diese Gebiete haben die ersten beiden Prüfschritte der BGE durchlaufen und scheinen spannend zu sein.
Wie spannend, das wollte das NBG aus seiner Online-Veranstaltung im Rahmen der Forumstage von den Vertreter*innen der Staatlichen Geologischen Dienste (SGD) erfahren. Die NBG-Mitglieder Maria-Theresia Schafmeister und Jürgen Rüffer wollten wissen: Ist man aus geologischer Sicht zufrieden mit der bisherigen Arbeit der BGE? Sind ihre Methoden nachvollziehbar? Wo gibt es noch Luft nach oben?
Gute Arbeit, viel Vertrauen, etwas Kritik
Wenn ein Bayer wie Roland Eichhorn „Bassd scho“ sagt, kann man das schon als Kompliment begreifen. Der Leiter des Geologischen Dienstes in Bayern teilte diese Meinung mit vielen seiner Kolleginnen und Kollegen. Die BGE hätte ordentliche Arbeit geleistet und das Feedback der SGD mit einfließen lassen.
Man hätte diese Eingrenzung allerdings auch schneller haben können, warf Roland Eichhorn ein. Sein Bundesland ist mit zwei kleinen Flächen in Salz und Opalinuston weiter dabei. Und mit einigen „türkisen“ Gebieten in Kristallin. Und über die wird schon auf politischer Ebene heiß diskutiert.
Markus Söder, der meinungsfreudige Ministerpräsident des Freistaates, hatte bereits im Vorfeld das Kristallin in seinem Bundesland ausgeschlossen. Und das kam nicht überall gut an. Schließlich gibt es im Verfahren keine Extrawürste, schon gar nicht aus politischer Sicht.
So sehr diese Art auch aneckt, in der Sache konnte Roland Eichhorn die Kritik am Kristallin geologisch nachvollziehen. Dieses berge oft Überraschungen und sei meistens stark zerklüftet. Die „bröselige“ Struktur reiche oft bis in die Tiefe. Das wüssten auch die Menschen vor Ort, z. B. im Bayerischen Wald. Umso schwerer sei es, ihnen zu erklären, warum ausgerechnet ihre Region noch weiter im Verfahren bleibt und alles so lange dauert.
Die Qual der Wahl
Weil Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht. Und weil Kristallin manchmal oben ganz anders aussehe als in der Tiefe, so Saleem Chaudry vom Geologischen Landesdienst in Niedersachsen. Er kenne natürlich nicht die regionale Beschaffenheit in Bayern, aber Kristallin gebe es auch in seinem Bundesland. Ton und Salz kämen hier ebenfalls vor. Niedersachsen sei geologisch sehr reich und auch gut erforscht, vor allem was Salzstöcke angeht. Hier wurde einst intensiv Salz-Bergbau betrieben und durch die Rohstoffgewinnung viel Expertise zu diesem Wirtsgestein angesammelt.
Das Thema Atommüll hat in Niedersachsen eine lange Geschichte. Asse, Gorleben, die vielen Zwischenlager – das Thema beschäftigt die Menschen. Aber ein Sturm der Entrüstung hätte er nach der BGE-Veröffentlichung nicht vernommen, so Saleem Chaudry. Das läge vielleicht auch daran, dass die BGE sich bei ihrer Arbeit immer wieder über die Schulter gucken lässt.
NBG pocht auf Transparenz
Und das ist ein wenig auch dem NBG zu verdanken, wie Gremienmitglied und Geologin Maria-Theresia Schafmeister hervorhob. Das Pochen auf Transparenz und kontinuierliche Information und Beteiligung der Öffentlichkeit gehören zu den NBG-Mantras – vor allem im Austausch mit der BGE. Dass dies jetzt Früchte trägt und von den geologischen Landesdiensten goutiert wird, freut besonders.
Auch dass die SGD eng in den Prozess eingebunden werden. Sie lieferten im Vorfeld nicht nur geologische Daten an die BGE, sondern konnten in Fachgesprächen ihre Einschätzungen erläutern und Fragen stellen. Für Katrin Kleeberg aus Sachsen ist das sehr wertvoll. Ihr Bundesland ist mit Kristallingebieten im Erzgebirge und in der Lausitz noch im Verfahren.
Unterschiedliche Datenlage
Der Endlagersuche Navigator sei ein gutes Instrument, um die Arbeit der BGE zu visualisieren. Sie würde sich allerdings wünschen, dass nicht nur Gebiete ausgewiesen werden, sondern dass auch die Datengrundlage für diese Entscheidung in Zukunft mitgeliefert wird.
Diese Meinung teilten auch die anderen Geologinnen und Geologen in der Runde. Der Vertreter des Geologischen Landesdienstes in Thüringen ging einen Schritt weiter. Wie wurde das geologische Modell, das zuvor an die BGE geliefert wurde, ganz konkret aufbereitet und verändert? Da sei die BGE noch eine Antwort schuldig..
Eine andere Herausforderung liegt in der sehr unterschiedlichen Datenlage. Während es zu bestimmten Gesteinen und zu bestimmten Gebieten viele geologische Informationen in Deutschland gibt, fehlt es an anderer Stelle. Kommt das Endlager also dorthin, wo der geologische Untergrund gut erforscht ist und die weniger gut erkundeten Gebiete sind fein raus, wollte eine besorgte Teilnehmerin wissen.
Nein, dem sei nicht so, konnte Sönke Reiche von der BGE beruhigen. Zwar sei die Datenlage überall sehr unterschiedlich, aber sein Haus wende in allen Gebieten im Rahmen der Prüfschritte die gleichen Methoden an.
Quo vadis Endlagersuche?
Und jetzt? Wie geht es weiter? In zwei Jahren plant die BGE jene Standortregionen zu veröffentlichen, die übertägig erkundet werden sollen. Im Moment ist die regionale Expertise der Geologischen Landesdienste unglaublich wichtig. Niemand kennt die Beschaffenheit des geologischen Untergrunds vor Ort besser als sie. Aber je mehr das Verfahren ins Detail geht, umso mehr seien auch andere Fachleute gefragt, meint Roland Eichhorn aus Bayern. Dann braucht es frisches Knowhow, z. B. über Thermodynamik oder Mikrobiologie, ein Zusammenspiel von unterschiedlichen Professionen.
Und bis dahin heißt es: Erklären, erklären, erklären! Gerade ein so gigantisches und hoch komplexes Verfahren wie die Endlagersuche gleicht einem kommunikativen Kraftakt. Fakten müssen verständlich aufbereitet, Fragezeichen benannt und Kritik ernst genommen werden. Und die kam z. B. von Asta von Oppen aus dem Planungsteam Forum Endlagersuche, gleich zum Auftakt der Veranstaltung. Die politische Hängepartie rund um die Neubesetzung des NBG empfindet sie als Armutszeugnis. Wer so ein entscheidendes Gremium nicht nachbesetze, schade dem Verfahren insgesamt.
Fakt ist: Die Endlagersuche kann nur gelingen, wenn das Fundament stimmt. Das ist nicht nur in der Geologie so.
All diese Aspekte und Diskussionspunkte finden Sie im Video-Mitschnitt der Veranstaltung auf unserem YouTube-Kanal.
YouTube-Livestream "Was sagen die Geologischen Landesdienste zum aktuellen Stand der Endlagersuche?" (12.11.2025, Online)
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