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Streitgespräche: Können sich junge Leute bei der Endlagersuche einbringen?

Collage Felix Klaschka (Umweltwissenschaftler) & Jorina Suckow (NBG-Mitglied) Collage Felix Klaschka (Umweltwissenschaftler) & Jorina Suckow (NBG-Mitglied)
Privat/Aygül Cizmecioglu

Streitgespräche | 08.04.2021

In Folge 2 unseres neuen NBG-Formats drehte sich alles um die junge Generation. Haben junge Menschen eine Stimme im Verfahren? Darüber diskutierte der Umweltwissenschaftler Felix Klaschka mit NBG-Mitglied Jorina Suckow.

Die Endlagersuche ist eine Mammutaufgabe, die alle Generationen betrifft – vor allem junge Menschen. Weichen, die jetzt im Verfahren gestellt werden, haben Auswirkungen auf ihre Zukunft. Umso wichtiger ist es, die junge Generation so früh wie möglich zu beteiligen. Doch passiert das? Können sich junge Menschen bei der Endlagersuche wirklich mit ihren Ideen einbringen? Und werden sie auch gehört?

Kaum Interesse?

Um diese Fragen kreiste Folge 2 des Streitgesprächs. Schon zu Beginn wurde klar: im näheren Bekanntenkreis von Felix Klaschka und Jorina Suckow interessieren sich die wenigsten für das Thema Endlagersuche. Zu unbekannt, zu sperrig – so die gängige Meinung.

Dabei boomen Umwelt- und Klimathemen seit Jahren. Aber warum gehen bei „Fridays for Future“ tausende junge Menschen auf die Straße und warum ist dagegen die Endlagersuche so unbekannt? Für Felix Klaschka, den jungen Umweltwissenschaftler aus Freiburg könnte eine Erklärung darin liegen, dass in puncto Klimaschutz kein wirklicher Konsens herrscht. Die jungen Leute kämpfen für einen radikalen Wandel im Umgang mit Klima. Sie haben in der Politik ein Gegenüber, das sich nicht genug für unsere Umwelt einsetzt. Klare Fronten, klare Positionen.

Konsens statt Konflikt?

Bei der Endlagersuche heute verschwimmen dagegen diese Grenzen. In den 70er und 80er Jahren war das noch anders. Bürgerinitiativen und Umweltverbände kämpften gegen die politische Willkür im Umgang mit Atommüll. Der gigantische Protest gegen die Castor-Transporte mobilisierte einst Tausende, bestimmte den gesellschaftlichen Diskurs.

Heute sind sich Politiker wie Bürgerinitiativen einig: raus aus der Kernenergie und die atomaren Lasten der Vergangenheit so sicher und so schnell wie möglich einlagern. Die Konflikte heute fokussieren sich nicht auf das ob, sondern auf das wie. Und genau das weckt – zumindest bis jetzt – nicht die Neugier von jungen Menschen.

Jugendbeteiligung als Feigenblatt?

Aber wie kann man das ändern? Ein Jugendworkshop, den die drei Hauptakteure des Verfahrens 2019 initiierten, war ein erster Anfang. Auch Felix Klaschka und Jorina Suckow waren damals dabei. Ihr Fazit: es muss mehr Infoangebote geben, das Thema muss Teil des Schulunterrichts werden. Mehr Erklärformate, mehr Kommunikation, z.B. über Social Media. Dafür braucht es vor allem eine verständliche Sprache fernab von Abkürzungen und Fachvokabular.

Doch wo sind die Grenzen? Ist echte Jugendbeteiligung überhaupt möglich? Oder sind solche Workshops nur ein Feigenblatt? Man redet viel, doch die wichtigsten Entscheidungen sind schon längst gefällt, oder? Diese Kritik kommt immer wieder. Sie war auch Thema beim Jugendworkshop 2019.

Erfahrung trifft Unvoreingenommenheit

Felix Klaschka und Jorina Suckow wissen, wie schwierig das Austarieren von Gestaltungsspielräumen sein kann. Dennoch betonten beide, dass sie Vertrauen in das Verfahren und in die politischen Akteure haben. Warum sonst würde sich die Hamburgerin Jorina Suckow neben Promotion und Rechtsreferendariat ehrenamtlich seit Jahren im Nationalen Begleitgremium engagieren. Und genau diese Unvoreingenommenheit sei ein Pluspunkt der jungen Leute. Sie sind nicht verhaftet in alten Denkmustern und haben die Grabenkämpfe von einst nicht erlebt.

Aber könnte man die Erfahrung der älteren Generation nicht verbinden mit dieser Offenheit der Jungen? Im YouTube-Chat wurde die Idee eines Mentoren-Programms aufgeworfen. Warum nicht eine Brücke zwischen den Generationen schlagen, voneinander lernen? So konnte eine Kontinuität geschaffen werden, die beides verbindet – das Wissen der Fachleute und Aktivisten von einst und die Unvoreingenommenheit der jungen Menschen.

Sie finden all diese Aspekte im Video-Mitschnitt des Gesprächs auf unserem YouTube-Kanal.

Streitgespräch "Hört auf uns! Können sich junge Leute bei der Endlagersuche einbringen?"

Ausblick

Weiter geht es am 25. Mai mit Folge 3 der Streitgespräche. NBG-Mitglied Markus Dröge trifft auf Patrizia Nanz, die Vizepräsidentin des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Dabei wird sich alles um die Frage drehen: „Kann sich die Öffentlichkeit wirklich bei der Endlagersuche beteiligen?“

Und am 3. August steht die Aufarbeitung der Vergangenheit im Mittelpunkt. In Folge 4 trifft Günther Beckstein, NBG-Mitglied und ehemaliger bayerischer Ministerpräsident auf Asta von Oppen, eine langjährige Aktivistin der Anti-Atomkraft-Bewegung. Das Thema: „Hat man wirklich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?"

Aygül Cizmecioglu

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