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Schlaglichter von der 50. NBG-Sitzung

Kurzbericht | 27.04.2021

Zum runden Sitzungsjubiläum standen die aktuellen Gutachten des Nationalen Begleitgremiums im Fokus. Es ging um die geologische Bewertung des Zwischenberichts Teilgebiete. Die NBG-Gutachter standen Rede und Antwort. Auch auf der Agenda: die nächsten Schritte im Verfahren und die Beteiligung der jungen Generation.

„Transparenz“ – ein Schlagwort, das immer wieder bei der Endlagersuche fällt. Aber wie füllt man dieses Wort mit Leben? Wie kriegt man den Spagat zwischen Fachlichkeit und Verständlichkeit hin? Genau darin liegt eine große Herausforderung.

Das zeigte sich auch bei der Veröffentlichung des Zwischenberichts im September 2020. Erstmals wurden potentielle Teilgebiete für ein Endlager genannt. Doch wie nachvollziehbar ist diese Auswahl für normale Bürger*innen, die nicht über geologisches Knowhow verfügen? Das Thema ist hochkomplex, nicht alle Daten sind für die Öffentlichkeit verfügbar, z.B. weil Privatrechte damit verknüpft sind.

NBG-Gutachten im Fokus

Das NBG als unabhängiger Begleiter des Verfahrens versucht diese Lücke zu schließen. Sachverständige des Gremiums können alle geologischen Daten einsehen und eine Einschätzung abgeben, ob die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bei der Erstellung des Berichts „sauber“ gearbeitet hat. Die ersten Gutachten dazu liegen nun vor und wurden auf der April-Sitzung vorgestellt.

Drei Gutachter hatten jeweils die Wirtsgesteine Salz, Ton und Kristallin unter die Lupe genommen und stichprobenartig untersucht.

Dabei reichte die geografische Bandbreite von recht großen Teilgebieten wie dem Norddeutschen Becken, das gleich mehrere Bundesländer umfasst, bis zu kleineren Gebieten wie Waddekath.

Grundsätzliches Fazit: Alle Gutachter können die Bewertungen der BGE nachvollziehen und finden diese weitestgehend schlüssig. Doch im Detail gäbe es noch Handlungsbedarf.

Die vorliegenden Ergebnisse müssten im weiteren Verfahren differenzierter und ortspezifischer untersucht werden. Auch die Idee eines „Daten-Piloten“ wurde eingeworfen. Solche digitalen Tools und Suchmasken könnten Bürger*innen helfen, die relevanten Informationen schneller zu finden.

In der Diskussion wurde z.B. klar, dass es von der BGE eine umfangreiche Multimedia-Reportage zu Gorleben gibt, diese aber auf der BGE-Website nicht leicht zu entdecken ist. Vorhandene Infos besser und verständlicher verpacken und platzieren – das wäre das Ziel.

Vernetzen & digitalisieren

Dr. Jürgen Grötsch betonte, was für eine Mammutaufgabe die Endlagersuche ist. Die Bearbeitung und Eingrenzung der Teilgebiete durch die BGE mit rund 70 Geologinnen und Geologen sei kaum zu stemmen.

Vernetzung und Kollaborationen mit den geologischen Landesdiensten seien wichtig. Und die Arbeit mit cloudbasierten Systemen, die den Expertinnen und Experten den Zugang zu den Daten ermöglichen.

Oft scheitern diese Ideen aber schon an der Tatsache, dass man mit der Digitalisierung hinterherhinkt.

Viele dieser geologischen Daten liegen nur analog vor. Deren Digitalisierung müsste dringend gefördert werden – mit Personal und Geld.

Wie geht es weiter?

Und wie geht es nun weiter im Verfahren? Was sind die nächsten Schritte? Auch darüber wurde auf der Sitzung gesprochen.

Es muss eine Eingrenzung der Teilgebiete stattfinden - das ist allen Beteiligten klar.

Noch ist mit 54 % halb Deutschland im Rennen. Im August findet die dritte und letzte Fachkonferenz statt. Und dann? Wie geht es anschließend weiter? An welchen Stellen sollte man die wissenschaftliche Expertise mit den Ideen der Öffentlichkeit verzahnen, und wie könnten solche Formate aussehen?

Genau da klafft eine sogenannte „Beteiligungslücke“. Das Standortauswahlgesetz (StandAG), das juristische Fundament des Verfahrens, bleibt in diesem Punkt sehr vage.

Folgeformate entwickeln

Umso wichtiger ist es, sich genau darüber frühzeitig Gedanken zu machen und Folgeformate zu entwickeln, die die Beteiligung der Öffentlichkeit im weiteren Verfahren ermöglichen. Dazu ist das NBG mit der BGE im Austausch.

Denn die Erfahrung aus der jetzigen Vorbereitungsgruppe der Fachkonferenz zeigt: ehrenamtliche Bürger*innen, die sich hier engagieren, müssen viele Hürden nehmen – organisatorische, zeitliche, inhaltliche. Es wird mit Hochdruck an der Gestaltung der weiteren Fachkonferenzen gearbeitet und nach dem Bestmöglichen gerungen. Viele Stimmen, viele Meinungen – keine leichte Aufgabe, da einen Mittelweg zu finden! Diese Erfahrungen sollten einfließen in zukünftige Formate.

Gute Angebote besser kommunizieren

Planung mit Weitsicht und klugen Ideen – das gilt auch für die Beteiligung der jungen Generation. Wie kann man sie langfristig für die Endlagersuche gewinnen? Marion Durst, Bürgervertreterin im NBG, stellte genau diese Frage. Sie skizzierte, welche Formate es bis jetzt speziell für junge Menschen gab.

Die Bandbreite reicht von Jugendworkshops über Unterrichtsmaterialien speziell für Schüler*innen bis zu einer Endlager-App. Im Mai steht ein digitales Dialogformat für junge Menschen an und ein Planspiel ist in der Mache.

Die BGE und das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bieten einiges an. Aber erreicht es auch die jungen Leute? Neugier für die Endlagersuche zu wecken, ist für alle Akteure eine große Herausforderung.

So wichtig das Thema für die nachfolgenden Generationen ist, so kompliziert ist es auch. Eine verständliche Sprache und das Ausloten der Möglichkeiten in den sozialen Netzwerken könnten da hilfreich sein. Auch deswegen wird das NBG in diesem Jahr seine Social Media-Präsenz erweitern. Neben YouTube und Facebook wird bis Jahresende auch ein Twitter-Kanal hinzukommen. Denn die spannendsten Inhalte nützen nichts, wenn sie nicht wahrgenommen werden.

Aygül Cizmecioglu

Die Kurzberichte greifen ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein paar Schlaglichter aus den Sitzungen auf. Ausführliche Informationen finden Sie bald in einem Ergebnisprotokoll.

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